Teil 1: NRW-Verkehr – null Klimaschutzbeitrag

Böden, Gewässer und Luft in NRW sind in keinem guten Zustand: auch in unserem Bundesland ist die Klimaerwärmung deutlich zu spüren, der Flächenverbrauch steigt weiter, und es sind nicht nur Insekten vom Aussterben bedroht, sondern die Lebensgrundlagen vieler Pflanzen und Tiere schwinden. Der Verkehr, vor allem der motorisierte, hat damit mehr zu tun, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Im kürzlich veröffentlichten Umweltzustandsbericht 2020 für NRW berichtet das Landesumweltministerium über den Zustand von Boden, Wasser, Luft und Klima in Nordrhein-Westfalen – und darüber, was die Ursachen für Verschmutzungen und den schlechten Zustand sind. Wir haben den Umweltzustandsbericht für euch aus der Verkehrsbrille gelesen, und beleuchten kritisch die Lösungsvorschläge der Landesregierung. Eine Blogreihe in drei Teilen.

14,6 Tonnen CO2-Emissionen durch Verkehr pro Nordrhein-Westfäl*in

In Nordrhein-Westfalen wurden in 2018 (aktuellere Daten sind nicht verfügbar) 261,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen, inklusive anderer klimaschädlicher Gase wie Methan. Dies entspricht durchschnittlich 14,6 Tonnen pro Nordrhein-Westfälin oder –Westfale. Zwar entfällt ein großer Teil auf die Energiewirtschaft, aber auch der Verkehr steuert viele Millionen Tonnen bei. Der Anteil des Verkehrs an den emittierten CO2-Äquivalenten in NRW beträgt 12,5%, also 32.700.000 Tonnen im Jahr.

Insgesamt ist zwar der Ausstoß klimaschädlicher Gase seit 1990 in NRW etwas gesunken, nicht jedoch im Verkehrsbereich. Der technologische Fortschritt in Form von effizienteren Motoren wurde aufgefressen durch eine höhere Fahrleistung, das heißt mehr motorisierte Fahrzeuge, die mehr Kilometer gefahren sind als 1990. Das Umweltbundesamt stellt fest:

„Die Fahrleistung aller Kraftfahrzeuge im Straßenverkehr stieg in Deutschland von 1991 bis 2019 um ca. 31,5 %. Die Fahrleistung des Personenverkehrs nahm in diesem Zeitraum um 29 % zu.“

Anzahl zugelassener Fahrzeuge steigt, auch im dichtbesiedelsten Bundesland

Nur der motorisierte Güterverkehr hat eine noch stärkere Steigerung zu verzeichnen. (Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/daten/verkehr/fahrleistungen-verkehrsaufwand-modal-split) Die Fahrleistung bezeichnet dabei die Strecke, die von Kraftfahrzeugen in Deutschland zurückgelegt wird. Seit Jahren ist die Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge gestiegen, für Deutschland insgesamt um etwa 10% seit 2013. NRW ist das Bundesland mit den meisten motorisierten Fahrzeugen: zu Jahresbeginn 2021 waren 12,3 Millionen motorisierte Fahrzeuge zugelassen (Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt, https://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/Bestand/Vierteljaehrlicher_Bestand/viertelj%C3%A4hrlicher_bestand_node.html). Nun ist es zwar keine große Überraschung, dass das bevölkerungsreichste Bundesland auch den höchsten Fahrzeugbestand hat. Gleichzeitig ist NRW aber auch das Bundesland mit der dichtesten Besiedlung. Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist der Anteil der ländlich wohnenden Bevölkerung geringer, die eher längere Wege zur Arbeit, zum Einkaufen und zur Schule zurücklegen muss. NRW ist zudem relativ flach, vor allem in dichtbesiedelten Regionen wie Ruhrgebiet und Rheinland, und erst recht im westfälischen Teil von NRW. Die Umstiegspotenziale auf das Fahrrad sind in NRW also besonders groß. Warum nimmt der Fahrzeugbestand dennoch weiter zu?

Verkehrsbeitrag zum Klimaschutz: Null

In der Folge hat der Ausstoß von CO2 und anderen Klimagasen des Verkehrs in NRW um 0,8 Millionen Tonnen zugenommen – im Vergleich zum letzten Umweltzustandsbericht in 2013. Übersetzt heißt das: trotz der effizienteren Fahrzeuge, trotz aller Ingenieurskunst, trotz Ankündigungen des energiesparenden Autos der Zukunft hat der Verkehr in den letzten Jahren wirklich gar nichts zum Erreichen der Klimaziele beigetragen. Im Gegenteil ist durch die Erhöhung der Fahrleistung der Ausstoß klimaschädlicher Gase in absoluten Werten sogar noch gestiegen. Eigentlich ein skandalöser Befund, denn klimafreundliche Alternativen stehen mit den Verkehrsträgern des Umweltverbunds – ÖPNV, Schienen-, Fahrrad- und Fußverkehr – zur Verfügung. Deren „zügiger Ausbau“ wird von Politikern in Bund, Land und Kommunen mit schöner Regelmäßigkeit verkündet. Ganz offensichtlich aber ohne Wirkung für das Klima.

Wie sich der Verkehr in NRW auf Böden, Gewässer und Artenschutz auswirkt ist Thema des zweiten Teils dieser Blogreihe zum Umweltzustandsbericht NRW.

Der Umweltzustandsbericht NRW

Der Umweltzustandsbericht für NRW wird vom nordrhein-westfälischen Umweltministerium veröffentlicht und ist hier abrufbar (www.umweltzustandsbericht.nrw.de). Dieser Bericht erscheint alle drei Jahre und nun zum fünften Mal seit 2006. Er beschreibt, in welchem Zustand sich Boden, Wasser und Luft befinden, wie sich das Klima in NRW entwickelt und welche Auswirkungen der Veränderungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen zu erwarten sind. Neben Informationen zur Verschmutzung nennt der Bericht auch deren Quellsektoren wie Energiewirtschaft, Verkehr, Industrie oder Landwirtschaft und die Größenordnung des Schadstoffausstoßes.