Am 27. Januar 2022 war es wieder soweit: Eine neue Ausstrahlung von RADKOMM.TV stand auf dem Programm. Obwohl wir vorher immer nervös sind, war die Anspannung (Corona lässt grüßen) in diesem Jahr besonders groß: Müssen wir die Veranstaltung im letzten Moment noch absagen, weil Expertinnen, Regisseur, Moderatorin oder unser RADKOMM.TV-Brain krank oder in Quarantäne sind?

Entsprechend viele Steine fielen uns vom Herzen, als endlich ALLE Beteiligten getestet, gesund und munter in unserem Pop-up-TV-Studio in Köln-Ehrenfeld eingetroffen waren und der inhaltliche Diskurs zu „Hallo Fahrradgesetz“ beginnen konnte.

Schon vor Monaten haben wir uns übrigens ganz bewusst entschieden, das Panel nur mit Expertinnen zu besetzen. Frauen kommen nach wie vor viel zu wenig zu Wort, wenn es um das Thema Mobilität geht. Wir als RADKOMM wollten hier ein entsprechend klares Zeichen zum Start ins neue Jahr setzen.

Rund zwei Stunden haben unsere sechs Rednerinnen über die Auswirkungen des neuen Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetzes in NRW debattiert, sich über explizite Machbarkeiten, Wünsche, Erwartungen und Perspektiven ausgetauscht.

Grußwort

Ina Brandes

Eröffnet wurde die Fachtagung mit einem Grußwort von der nordrheinwestfälischen Verkehrsministerin, Ina Brandes, die uns und „AUFBRUCH FAHRRAD“ großes Lob aussprach: „So viel bürgerschaftliches Engagement für mehr und besseren Radverkehr hat es in der Geschichte Nordrhein Westfalens noch nie gegeben. Der Einsatz der RADKOMM hat den Gesetzgeber dazu bewegt „Ja“ zu sagen zum neuen Fahrradgesetz. (Im Video zu sehen bei 3:10min).

Was ändert das Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetz konkret in NRW?“

Konkret hatte der Abend zwei Schwerpunktthemen. Zunächst waren Ursula Buttgereit (Leiterin des Bereichs Technik und Umwelt von Straßen NRW), Christine Fuchs (Vorständin AGFS, Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW) und  Dr. Ute Symanski (Vorsitzende RADKOMM) gefordert, als über die Frage „Was ändert das Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetz konkret in NRW?“ diskutiert wurde.

Gleich zu Beginn bekannte Ursula Buttgereit, dass der Anstieg des Radverkehrs auf 25 % am Gesamtverkehr sehr ambitioniert sei, aber sich freue, „dass es nun eine Gesetzesgrundlage gibt, die uns das Planen und das Durchsetzen solcher Planungen erleichtern wird“.   (10:03min)

Christine Fuchs unterstützt mit Beratungsangeboten Städte, Gemeinde und Kreise den Grundstein daür zu legen, dass ein Großteil der persönlichen Alltags- oder Freizeitwege zukünftig zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt werden kann und hat folgende Vision vom Jahr 2025: „Wir werden maßgeblich in den Köpfen und den politischen Entscheidungen weiter sein. Die Umsetzung lässt sich nicht herbeizaubern, aber wir werden einen wesentlichen Schritt weiter sein.“  (57:00min)

Dr. Ute Symanski zeichnet ein sehr plastisches Bild, von den Veränderungen in Sachen Radmobilität bis zum Jahr 2025: „Ich sitze auf meinem Rennrad und radel an einem Sonntagmorgen zu meinem Vater (-Anmerkung der Redaktion ca. 100 km entfernt-), der einen tollen Käsekuchen gebacken hat, sicher und komfortabel, ohne absteigen zu müssen, um zu gucken, wo bin ich denn jetzt bin“. (58:00min)

Weitere Statements

Ursula Buttgereit:

„Eine von den 207.000 Stimmen von Aufbruch Fahrrad ist meine“

„Der Radwegebau ist wichtig geworden, und das ist auch ein Spiegel der Gesellschaft.“

„Lebenswerte Städte, aber auch die Verbindung zwischen den Städten dürfen nicht aus den Augen verloren werden. Hierfür eignet sich nicht immer das Fahrrad.“

Christine Fuchs:

„Wir müssen nicht auf den Aktionsplan warten, wir können auch selbst etwas tun – Wirtschaftswege nutzen zum Beispiel“

„Dieses Jahr wird ein Jahr der Kommunikationsoffensive sein, um in den Kommunen zu vermitteln, was FaNaG bedeutet.“ 

Dr. Ute Symanski:

„Wir hoffen, dass das Gesetz zum Umdenken führt und Rad und Fußverkehr künftig gleichrangig sind und alle Mobilitätsträger gleichrangig berücksichtigt werden.“

„Das Fahrrad ist der City-Changer, nur mit dem Rad gelingt die Mobilitätswende“

Welche Impulse gibt das Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetz für die bundesweite Verkehrswende?

Im zweiten Teil wollte Moderatorin Vivien Leue (Journalistin, freie Korrespondentin beim Deutschlandradio) von den Panel-Mitglieder wissen: „Welche Impulse gibt das Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetz für die bundesweite Verkehrswende?“.

Dazu äußerten Rebecca Peters (ADFC-Bundesvorsitzende), Ruth Hammerbacher (FUSS e.V. Bundesvorständin) sowie Sonja Thiele (RADKOMM) ihre Ansichten.

Dass ein Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetz für ein Land ein eindeutiges Signal in die richtige Richtung sendet, steht außer Frage. Und dennoch erscheint es Ruth Hammerbach aus Fußverkehrssicht heute schon fast wieder überarbeitungsfähig. „Um die Attraktivität und die Akzeptanz des Fußverkehrs [in der Politik und Bevölkerung, Anm. der Redaktion] weiter zu steigern, brauchen wir zusammenhängende Fußwegenetze mit einer sehr guten Aufenthaltsqualität und Infrastruktur,“ betont sie weiter (1:10:55). Um auch den Fußverkehr zu stärken, sei eine gleichwertige Betrachtung aller nachhaltiger Verkehrsmittel besonders wichtig, betonten die Referentinnen an unterschiedlichen Stellen.

Die Expertinnen waren sich einig, um einen Wandel in der Verkehrspolitik zu bewirken, muss auf allen Ebenen – Kommunen, Länder und Bund – Überzeugungsarbeit geleistet werden. Gleichzeitig sei es besonders wichtig, die Kommunikation von Verkehrswende umzudrehen. Mit der Initiative AUFBRUCH FAHRRAD haben wir es bereits vorgemacht: Mobilitätswende kann ein positives Thema sein, das zudem auch Spaß macht! „Wir möchten vielen Menschen durch unseren Aktivismus ein Vorbild sein,“  (1:30:45) betont Sonja Thiele.

Das Land NRW kann nun zeigen, „dass das Gesetz da ist, dass es mit Leben gefüllt wird, dass es umgesetzt wird und dass es auf eine positive Resonanz der Bevölkerung trifft. […] Es gibt diesen positiven Umbruch, weil die Mobilitätswende jetzt angegangen wird. Ich glaube das ist ein immens wichtiges Zeichen: wirklich umzudrehen, mit einer positiven Kommunikation, schönen Emotionen, Radfahren zu einem Wohlfühlthema für Politiker*innen auf allen Ebenen zu machen,“ zeigt sich Rebecca Peters zuversichtlich. (ab 1:20)

Weitere Statements 

Rebecca Peters:

„Wir müssen auf allen Ebenen – Kommunen, Ländern, Bund Überzeugungsarbeit – leisten, nur dann kann es zum Wandel kommen.“

NRW kann zeigen, dass das Gesetz da ist, dass es umgesetzt wird und dass es auf positive Resonanz bei der Bevölkerung stößt.”

Ruth Hammerbacher:

„Tempo 30 ist auf jeden Fall ein Fortschritt, aber wir brauchen auch noch mehr. Begegnungszonen, aber auch Orte mit Aufenthaltsqualität wie beispielsweise Spielstraßen.“

„Um mehr Motivation im politischen Bereich zu erzeugen, muss die vorhandene Bescheidenheit der Fußgehenden überwunden werden.“

Sonja Thiele:

„Die ganze Stadt ist voller Autos, wir sind konditioniert, dass das normal ist.“

„Es gibt einen Wunsch nach nachhaltiger Mobilität.”

Moderatorin Vivien Leue fast es am Ende nochmal treffend zusammen: „Es gibt viele Impulse, die jetzt gesetzt werden können und es ist ganz viel Aufbruch zu spüren, dass das auch passiert.“ (1h:50)

Vivien Leue

Nichts geht ohne Teamwork

Jede Menge „Action“ auf der Bühne, aber auch hinter der Bühne gab es alle Hände voll zu tun: Ein rund 20-köpfiges Team, bestehend aus Kameraleuten, Ton-und Bildregie, Digital Computer Operatoren, Aufnahmeleitung, Bild-und Bühnentechnik, einem Social-Media-Team sorgten dafür, dass die Aussagen der Expertinnen vom TV-Studio auf den heimischen Screen übertragen wurden.

Was aber alle Teilnehmer*innen vor und hinter der Kamera eint, ist das großartige Gefühl hinterher, wenn die Aufzeichnung erfolgreich beendet ist, die Klickzahlen beweisen, dass viele Zuschauer*innen die Diskussionen verfolgt haben und es sogar noch ein kleines „Dankeschön“ gibt.

Die Fachkonferenz „RADKOMM.TV „Hallo Fahrradgesetz“ fand mit freundlicher Unterstützung durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen statt.

Copyright alle Fotos: Bozica Babic.

 

 

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